Sicheres Arbeiten in Ihrem Unternehmen

Mehr als nur ein Häkchen auf der Checkliste

In der Praxis wird die Sicherheit am Arbeitsplatz oft mit der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften gleichgesetzt. Die Risikoinventarisierung und -evaluierung (RI&E) ist daher in vielen Organisationen als eine Verpflichtung bekannt, die eben ‘erfüllt werden muss’. Und obwohl es stimmt, dass eine RI&E für Arbeitgeber mit Personal gesetzlich vorgeschrieben ist, geht ihr Wert weit über das Abhaken einer Checkliste hinaus.

Sicherheit ist nämlich nicht nur etwas, das man organisiert, sondern auch etwas, das man in seinem Handeln und Verhalten ausstrahlt. Sie liegt in der Gestaltung Ihrer Prozesse, aber auch darin, wie sich Menschen verhalten, wie sie kommunizieren und ob sie sich gehört und ernst genommen fühlen. Gerade diese Kombination aus praktischen Maßnahmen und sozialer Sicherheit macht den Unterschied zwischen einer Organisation, in der ‘sicher’ eine Regel ist, und einer Organisation, in der Sicherheit auch wirklich gelebt wird.

In diesem Artikel erörtern wir, warum sichere Arbeitsbedingungen sowohl praktisch als auch emotional in einer Organisation getragen werden müssen. Sie erhalten praktische Tipps zur Verbesserung der Sicherheit und erfahren, wie die Arbeitsschutz-RI&E dabei ein wertvolles Instrument darstellt.

 

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Eva Bouwman

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Die Arbeitsschutz-RI&E als strategisches Fundament

Eine gut durchgeführte RI&E bietet einen detaillierten Überblick über die am Arbeitsplatz vorhandenen Risiken. Dies können physische Risiken sein, wie unsichere Arbeitsplätze, Exposition gegenüber gefährlichen Stoffen oder unzureichende Ergonomie. Es geht aber auch um organisatorische Risiken wie hohen Arbeitsdruck, unklare Verantwortlichkeiten oder mangelhafte Kommunikation.

Wenn die RI&E als strategisches Instrument und nicht als Formalität betrachtet wird, entsteht Raum für nachhaltige Verbesserungen. Es wird nicht nur deutlich, welche Risiken dringend sind, sondern auch, wo Chancen für effizienteres Arbeiten, höhere Mitarbeiterzufriedenheit und die Vermeidung von Fehlzeiten bestehen. Die Stärke liegt in der Einsicht: Wenn man weiß, wo Risiken liegen, kann man gezielt handeln, was Vorfälle und Kosten vermeidet.

Die Risikoinventarisierung und -evaluierung (RI&E) ist das Fundament jeder Arbeitsschutzpolitik. Sie ist für alle Arbeitgeber mit Personal verpflichtend und bildet die Grundlage für die Ermittlung, Bewertung und Bewältigung von Risiken in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden.

Eine gut durchgeführte RI&E:

  • Bietet Einblick in physische und psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz.
  • Gibt eine Richtung für einen konkreten Maßnahmenplan vor.
  • Hilft Organisationen, nachweislich Gesetzen und Vorschriften zu entsprechen.
  • Unterstützt die nachhaltige Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter.

Die RI&E ist somit nicht nur eine administrative Verpflichtung, sondern ein strategisches Instrument zur strukturellen Verbesserung der Betriebsführung und der Arbeitsbedingungen.

Praktische Sicherheit: sichtbar und messbar

Die greifbarste Seite sicheren Arbeitens ist natürlich die physische Umgebung. Maschinen, Laufwege, Beleuchtung, Schutzausrüstung – all das sind Faktoren, die leicht zu kontrollieren sind. Dennoch sind viele Vorfälle auf „gewöhnliche“ Dinge zurückzuführen: einen nassen Boden, schlechte Wartung, unklare Anweisungen oder Geräte, die etwas zu lange ohne Prüfung in Betrieb bleiben.

Eine gut gepflegte RI&E zwingt dazu, diese Situationen strukturell zu erfassen und regelmäßig zu überprüfen, ob Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt wurden. Dabei hilft es, wenn die Organisation in Schulung und Bewusstseinsbildung investiert, damit die Mitarbeiter wissen, welche Vereinbarungen bestehen und warum diese Vereinbarungen getroffen wurden. Nur dann werden sie Teil des täglichen Handelns.

Praktische Sicherheit beginnt mit Übersicht und Wartung

Die Schaffung sicherer Arbeitsbedingungen beginnt mit der Schaffung von Übersicht. Die meisten physischen Risiken sind leicht zu erkennen: Maschinen ohne Schutzvorrichtungen, mangelhafte Belüftung, physische Überlastung oder schlechte Arbeitshaltungen. Dennoch werden viele dieser Risiken erst ernst genommen, wenn ein Vorfall eintritt.

Die RI&E hilft dabei, indem sie systematisch alle Prozesse durchläuft. Dazu gehören:

  • Bewertung der Arbeitsplatzgestaltung.
  • Inventarisierung von Arbeitsanweisungen und der Verwendung von Schutzmitteln.
  • Überprüfung von Notfallverfahren und der Ersthelferorganisation (BHV).

Darüber hinaus ist es entscheidend, dass die RI&E regelmäßig überarbeitet wird, insbesondere bei Änderungen in Prozessen, Personalbesetzung oder Arbeitsmethoden. Sicherheitspolitik ist keine einmalige Aktion, sondern ein kontinuierlicher Prozess der Anpassung und Verbesserung.

Subjektive Sicherheit: der weniger sichtbare Faktor

Mindestens ebenso wichtig und oft unterschätzt ist der subjektive Aspekt der Sicherheit. Mitarbeiter, die sich nicht frei fühlen, ihre Meinung zu äußern, unsichere Situationen zu melden oder Fehler anzusprechen, stellen unbeabsichtigt ein Risiko für sich selbst und für die Organisation dar. Hier geht es um die Sicherheitskultur innerhalb der Organisation: Gibt es Raum für Kritik? Werden Signale ernst genommen? Und besteht Vertrauen in Führungskräfte?

Subjektive Sicherheit ist weniger greifbar. Hinweise darauf treten oft erst in Evaluationen, Fehlzeitengesprächen oder durch Mitarbeiterzufriedenheitsumfragen zutage. Dennoch kann die Arbeitsschutz-RI&E darauf eingehen, indem sie auch folgende Aspekte berücksichtigt:

  • Arbeitsdruck und Stressfaktoren.
  • Das Ausmaß der sozialen Unterstützung in Teams.
  • Die Sicherheitskultur: Dürfen Fehler angesprochen werden?

Indem auch diese Aspekte in die RI&E einbezogen werden, entsteht ein umfassenderes Bild der Risiken und der Verbesserungschancen.

Die Rolle des Managements und des Präventionsbeauftragten

Eine sichere Organisation ist oft bereits beim Betreten erkennbar. Dies liegt nicht an ausgehängten Vorschriften, sondern an der aktiven Beachtung durch die Mitarbeitenden des Unternehmens.

Die Führungsebene ist hierbei maßgeblich dafür, in welchem Umfang Sicherheit innerhalb einer Organisation Priorität genießt. Dies geschieht nicht durch strikte Überwachung der Einhaltung, sondern vielmehr durch die kontinuierliche Präsenz des Themas Sicherheit auf der Agenda. Durch sichtbares Engagement, das Erkennen von Warnsignalen und den aktiven Dialog mit den Mitarbeitenden. 

Auch der Präventionsbeauftragte spielt hierbei eine Schlüsselrolle. Diese Person ist nicht nur der Überwacher des RI&E-Prozesses, sondern auch die zentrale Schnittstelle zwischen Mitarbeitenden und Management.

Die Position des Präventionsbeauftragten ist in jedem Unternehmen obligatorisch. In Betrieben mit weniger als 25 Mitarbeitenden kann der Geschäftsführer selbst die Funktion des Präventionsbeauftragten übernehmen. Bei einer höheren Anzahl von Mitarbeitenden ist jedoch ein Präventionsbeauftragter zu benennen (Hinweis: Hierfür dürfen ausschließlich Personen eingesetzt werden, die auf der Gehaltsliste des Unternehmens geführt werden). 

Ist diese Rolle adäquat ausgestaltet, mit ausreichend Fachwissen, Zeitressourcen und Akzeptanz, bildet sie die Grundlage für kontinuierliche Verbesserungsprozesse. In Organisationen, in denen Sicherheit aktiv gelebt wird, agiert der Präventionsbeauftragte sichtbar, zugänglich und als vollwertiger Gesprächspartner. 

Um dies zu erreichen, ist es oft ratsam, dem benannten Präventionsbeauftragten eine entsprechende Ausbildung zukommen zu lassen. So kann dieser seine Fachkompetenz nachweisen und die Politik für Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden (VGW) korrekt umsetzen. 

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Investitionen in Sicherheit zahlen sich aus

Organisationen, die das Thema Sicherheit ernsthaft behandeln, profitieren davon in mehrfacher Hinsicht. Es reduziert den Krankenstand, steigert die Mitarbeiterbindung, verbessert die Produktivität und trägt zu einer positiven Reputation bei. Des Weiteren ist ein Unternehmen, das nachweislich sicher agiert, besser auf Inspektionen, Ausschreibungsverfahren und zukünftige gesetzliche Anforderungen vorbereitet.

Wie Sie die Sicherheit in Ihrem Unternehmen eigenverantwortlich optimieren können

Die Analyse von Risiken ist ein Aspekt, doch letztlich zählt die praktische Umsetzung: Was können Sie bereits morgen unternehmen, um die Sicherheit zu verbessern? Nachfolgend finden Sie 5 unmittelbar anwendbare Tipps:

1. Planen Sie einen kurzen Sicherheitscheck mit den Mitarbeitenden

Begehen Sie mit einem kleinen, funktionsübergreifenden Team das Unternehmen und lassen Sie jedes Mitglied potenzielle Risiken oder Unklarheiten benennen. Oftmals nehmen andere Perspektiven wahr, die von der eigenen abweichen.

2. Implementieren Sie eine Arbeitsschutz-RI&E oder aktualisieren Sie diese bei organisatorischen Veränderungen

Verfügen Sie noch über keine Arbeitsschutz-RI&E? Beginnen Sie mit der Implementierung einer solchen. Falls bereits eine RI&E vorhanden ist, beachten Sie Veränderungen wie einen neuen Maschinenpark, geänderte Arbeitszeiten oder Teamwachstum. Stellen Sie sicher, dass die RI&E mindestens jährlich aktualisiert wird. 

3. Visualisieren Sie Sicherheit im Arbeitsbereich

Stellen Sie sicher, dass Anweisungen nicht nur schriftlich vorliegen, sondern auch visuell am Arbeitsplatz präsent sind. Hierzu zählen Piktogramme, Hinweise an Maschinen oder ein Sicherheitsspiegel an Gefahrenstellen.

4. Führen Sie eine Sicherheits-Sprechstunde ein

Ermöglichen Sie es dem Präventionsbeauftragten oder der Führungskraft, einmal pro Quartal niederschwellig für Fragen oder Meldungen zur Verfügung zu stehen. Dies senkt die Hemmschwelle, relevante Themen anzusprechen.

5. Integrieren Sie das Thema Sicherheit in Mitarbeitergespräche

Erfragen Sie in jedem Gespräch, wie die Sicherheit wahrgenommen wird, ob Engpässe bestehen und wie die betreffende Person zu einem sicheren Arbeitsumfeld beiträgt. Dadurch wird es zur gemeinsamen Verantwortung aller.

Möchten Sie lieber gemeinsam starten?

Wünschen Sie eine fachkundige Begutachtung, um sicherzustellen, dass Sie die richtigen Maßnahmen ergreifen? Im Dienstencentrum verfügen wir über Spezialisten für Arbeitsschutz und Sicherheit in Ihrem Unternehmen und unterstützen Sie gerne. Hinterlassen Sie Ihre Kontaktdaten unten, und wir werden uns unverbindlich mit Ihnen in Verbindung setzen. 

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